„Man kann nicht wegschauen“

SYRIENHILFE Die Franziskaner in Bad Staffelstein wollten ihre Augen vor dem Geschehen in Syrien nicht verschließen und unterstützen seit Januar dieses Jahres ihre Brüder in dem vom Bürgerkrieg geplagten Land.

Bad Staffelstein — Pater Christoph ist seit neun Jahren im Franziskanerkloster in Bad Staffelstein.
Acht Jahre lang engagierte er sich für einHilfsprojekt in SriLanka und unterstützte die Mitarbeiter vorOrt. Anfang dieses Jahres merkte er, dass das Projekt gut voran gekommen ist und seine Hilfe an anderer Stelle dringend gebraucht wird. Seit über drei Jahren gibt es große Probleme in Syrien. Ein Fernsehbericht über die Lage vor Ort ging Pater Christoph sehr nahe und verstärkte seine Betroffenheit.
Ein Vater hat sein verhungertes, totes Kind direkt in die Kamera gehalten. „Das war ein Schlag in die Magengrube“, sagt der Pater. Irgendwann hätten die Medien aufgehört, darüber zu berichten, was ihn aufgeregt habe. Dazu kam, dass die Franziskanermönche als „Wächter des heiligen Landes“ auch in Syrien vertreten sind. Pater Christoph war klar: Er musste etwas tun. Auch das Ehepaar Hamisch
aus Seßlach hat eine besondere Beziehung zu Syrien. Vor ein paar Jahren reisten die beiden
nach Syrien und in den Libanon und lernten das Land und das Volk kennen. Sie waren fasziniert
davon, wie viele verschiedene Religionen undKulturen in diesen Ländern friedlich nebeneinander
leben. DieGeschehnisse in den letzten Jahren gingen den beiden sehr nahe und sind für sie unbeschreiblich. Franziskaner in Syrien In Syrien gibt es momentan insgesamt neun Franziskanermönche, berichtet Pater Christoph. In der Pfarrarbeit ist es ihreAufgabe,
sich um die verbliebenen Christen in Syrien zu kümmern.

Aber auch alle anderen Konfessionen sind bei den Fransziskanermönchen willkommen. Vor allem die erste Nothilfe ist wichtig. Dabei kümmern sie sich darum, dass dieMenschen etwas zu Essen und ein Dach über dem Kopf bekommen. Pater Christoph steht in enger Verbindung mit Pater Werner Mertens in Syrien. Durch diese persönlichen Kontakte ist sich der Pater sicher, dass das gespendete Geld zu 100 Prozent dort ankommt, wo es gebraucht wird. Um mehr
Spendengelder zu sammeln, konnte Pater Christoph Ingeborg Hamisch gewinnen. Denn auch ihr und ihrem Mann ist es wichtig, dass die Situation in Syrien bekannt wird und die Hilfe größere Kreise zieht. Hamisch wollte etwas schaffen, was sichtbar und greifbar ist. Angefangen hat alles mit selbst genähten Handyhüllen und Schlüsselanhängern aus alten Krawatten.
Jetzt hat Ingeborg Hamisch sogar ein eigenes Logo für ihre Produkte bekommen. Topflappen und Einbände für das Gotteslob gehören auch zu ihrem Angebot. Das Material zahlt die 68-Jährige aus ihrer eigenen Tasche. „Bevor ich jetzt etwas spende, investiere ich das Geld lieber in das Material und fertige schöne Dinge zum Verkauf“, sagt sie.
Aktuelle Lage vor Ort Die Lage in Syrien ist momentan sehr schwierig. Klöster des Franziskanerordens vor Ort wurden bombardiert, erzählt Pater Christoph. In der Nacht zum 5. Oktober wurden ein Franziskanerbruder und andere christliche Gemeindemitglieder entführt. Momentan herrscht große Ungewissheit über den Verbleib und den Zustand der Vermissten. Wichtig sei es jetzt, so der Pater, dassman nicht sage, „Syrien ist zu weit weg, da kann ich nichts tun“. Jedes Hilfsprojekt sei es wert, unterstützt zu werden und helfe den Leuten vor Ort: „Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern.“
(© LISA KIESLINGER
AUS DEM STAFFELSTEINER LAND SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. OKTOBER 2014)



AUS DEM STAFFELSTEINER LAND - SAMSTAG/SONNTAG, 25./26. OKTOBER 2014
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