„Syrien geht uns etwas an“

SPENDEN Die Franziskaner in Vierzehnheiligen unterstützen ihre Brüder in Aleppo und Damaskus.

Vierzehnheiligen — Der Syrienkonflikt wird von Tag zu Tag grausamer. Während vielen die Flucht gelingt, verbleibt der größte Teil der Bevölkerung im Land. Elf Franziskaner helfen vor Ort mit konkretenMaßnahmen. Auch in Deutschland werden Spenden gesammelt, um diesen Einsatz zu unterstützen. Im Landkreis Lichtenfels organisierten am Sonntag die Franziskaner von Vierzehnheiligen
eineVerkaufsaktion zugunsten der Syrienhilfe. Pater Christoph Kreitmeir betonte gegenüber unserer Zeitung: „Ziel ist es, die in Syrien verbliebenen Franziskaner finanziell zu unterstützen, um die  notleidenden Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.“ Notunterkünfte geschaffen
Seit Beginn des Krieges hätten die Ordensbrüder Notunterkünfte für 200 Menschen geschaffen und versorgten durchschnittlich 400 Syrer proTag mit Essen, Medizin und Kleidung, soKreitmeir. Jeden Monat suchten rund 50 weitere Familien Zuflucht. Im Mittelpunkt der Aktion stand der Verkauf von Gesangbuch-und Handyhüllen oder Schlüsselbändern aus recycelten Krawatten, die von Ingeborg
Hamisch aus Seßlach angefertigt und kostenlos zurVerfügung gestellt wurden. Die ehemalige
Lehrerin für Hauswirtschaft bot auch Topflappen aus gesteppter Baumwolle an.DieMaterialkosten
übernahmdie engagierte 68-Jährige.Der Erlöswerde, wie alle Spenden, umgehend ohne Verwaltungskosten den Franziskanern in und um Aleppo und Damaskus (Syrien) zur Verfügung
gestellt, wie die Verantwortlichen betonten. Pater Christoph brachte in seiner Predigt im Gottesdienst
den Heiligen Franziskus in Verbindung mit der Hilfsaktion. „Sein Leben bekam eine Bedeutung,
welche über die Zeit vor 800 Jahren und heute noch über die Grenzen der katholischen
Kirche weit hinausgeht.“ Die entscheidendeWende seines Lebens vollzog sich nach der Anfrage:
Wer kann dir mehr geben: der Herr oder der Knecht? Ihm wurde bewusst, dass er einem Knecht nachlief, als der sich Ruhm und Reichtum auf einem Kriegszug erhoffte. Er wurde nachdenklich. „Dies hat ihn in die Tiefe geführt zu dem, was bedeutungsvoll und kostbar ist“, unterstrich der Geistliche.
Ihm ging auf: Das, was einen Menschen wirklich glücklich macht, ist innen den Schatz des Lebens und den Frieden zu finden und nicht außen. Auf eines sollte man achten, betonte Pater Christoph: „Die Spur Gottes und seine Einladung ist dort, wo wir aufwachen von einem Leben der Routine und Oberfläche,
stattdessen uns zuinnerst ergreifen und erfüllen lassen.“ Dazu gehöre unter anderem das Wahrnehmen
all der schrecklichen Ereignisse in der Welt um uns herum und das dankbare Wissen um unsere Freiheit und unseren Wohlstand. „Warum dürfen wir Freiheit und Wohlstand erleben, und warum müssen so viele
Menschen und auch Christen zurzeit zum Beispiel im Nahen Osten leiden?“, fragte er. Das alles sei zwar weit weg, es bedrohe aber die ganze zivilisierte Welt und könne sehr bald auch bei uns sein. „Es geht uns an. Wir sind nicht nur eingeladen, sondern aufgefordert, diese Dinge an uns heranzulassen und dann zu entscheiden, wo wir helfen können, wo wir uns einbringen können“, schloss Pater Christoph seine Predigt.

(© ANDREAS WELZ)

Spendenaktion
Informationen über die Syrienhilfe
geben die Franziskaner in
Vierzehnheiligen unter der Telefonnummer
09571/95080.



AUS DEM STAFFELSTEINER LAND - MONTAG, 13. OKTOBER 2014
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